Jahresbericht 2006
Dutch Foundation for Ladakhi Nuns
Ladakh liegt im Nordwesten Indiens im westlichsten Teil des Himalaya. Seit
langem versammeln sich in diesem Teil Indiens eine Vielzahl unterschiedlicher
Kulturen. Seit Beginn des 10 Jahrhunderts ist dieses Gebiet eine Hochburg des
tibetischen Buddhismus. Daher wird es auch oft 'Kleintibet' genannt.
Obwohl viele Touristen die berühmten Mönchsklöster Ladakhs
besuchen, erhalten die Nonnenklöster nur wenig Aufmerksamkeit.
Ladakh Nuns Association
Im Jahr 1997 hat die Tibetische Ärztin und Nonne Dr. Tsering Palmo die
Ladakh Nuns Association gegründet, um die Ausbildung und den Erhalt der
Kultur der buddhistsischen Nonnen in Ladakh zu fördern. Viele dieser
Nonnen arbeiten immer noch als kostenlose Haushaltshilfen in ihren Familien
oder für Mönchsklöster.
Hintergrund
Die Dutch Foundation for Ladakhi Nuns (im folgenden DFLN genannt) wurde 2003
gegründet und zielt darauf ab, die Ladakh Nuns Association (im folgenden
LNA genannt) zu unterstützen und in den Niederlanden auf die Situation
ladakhischer Nonnen aufmerksam zu machen. Darüberhinaus geht es darum,
finanzielle Mittel für die Unterstützung von Bildungsprojekten der
LNA aufzubringen und den Bau neuer Klöster zu finanzieren. Außerdem
sponsert die DFLN junge Nonnen, die derzeit ausgebildet werden, um
zukünftig die Ausbildung ladakhischer Nonnen selber in die Hand zu nehmen.
Für eine Gruppe älterer Nonnen wird derzeit mit Unterstützung
der DFLN in der Nähe des Klosters Thikse auf einem historisch bedeutsamen
Gelände ein Kloster gebaut.
Dr. Tsering Palmo
Dr. Tsering Palmo ist die Leiterin der Ladakh Nuns Association. Sie wurde in
einem Dorf in der Nähe von Leh, der Hauptstadt Ladakhs, geboren. Sie
wollte zunächst westliche Medizin studieren, aber als sie zu
Ausbildungszwecken Tiere töten sollte, hat sie sich entschieden, eine
traditionelle tibetische Ärztin (Amchi) zu werden. Nach ihrem Examen 1993
wurde sie zur tibetischen Nonne ordiniert. Als ihr die Situation der
ladakhischen Nonnen bewusst wurde, hat sie beschlossen, ihr Bestes zur
Verbesserung der Position der ladakhischen Nonnen zu tun. 1997 gründete
sie die Ladakh Nuns Association.
Klöster in Ladakh
Derzeit gibt es in Ladakh 27 Nonnenklöster. Die LNA arbeitet eng mit allen
zusammen. Ungefähr 600 Nonnen leben in den Klöstern und 200 Nonnen
studieren außerhalb von Ladakh. Zusätzlich lebt eine Reihe von
Nonnen außerhalb klösterlicher Gemeinschaften. Dr. Tsering Palmo
ermuntert diese Nonnen, wenigstens einmal monatlich ein Kloster zu besuchen.
Die Klöster sind in einer großen, kargen Landschaft verstreut, in
der es im Winter bitterkalt wird. Die LNA ist so organisiert, dass sie die
Nonnen ermutigt, sowohl den Dharma (die buddhistische Lehre) als auch
tibetische Medizin zu lernen, um eigenständig für sich und ihre
Gemeinden sorgen zu können. Die LNA hat 12 Mitarbeiter. Eine
Bürokraft wird bezahlt, alle anderen Mitarbeiter/innen sind ehrenamtliche
Helfer. Die Mitarbeiter treffen sich zwei bis dreimal pro Monat. Die LNA
arbeitet eng mit dem Vorstand der Ladakh Women's Alliance (ladakhische
Frauenorganisation) zusammen.
Unsere Aktivitäten
Seit 2003 sind einige Vorstandsmitglieder jährlich nach Ladakh gereist und
haben dort Workshops gegeben. 2003 hat der Verein beschlossen, den Bau der
Nonnenklosters Gaden Chhatnyanling in Nyerma (Ladakh) zum Mittelpunkt der
Arbeit zu machen. Seit Sommer 2004 wird die DFLN außerdem durch deutsche
und amerikanische Spender unterstützt. Deshalb ist die Internetseite
dreisprachig.
Der Vorstand
2006 bestand der Vorstand aus Jan Willis (Vorsitzende bis 1. Januar 2007), Myra
de Rooy, Annet Stokroos und Marlies Bosch und wurde erweitert durch:
Ginny ten Brummelhuis kennt Ladakh gut und besucht Doktor
Tsering Palmo regelmäßig. 2005 hat sie in Gouda ein Infotreffen
über die ladakhischen Nonnen organisiert. Die DFLN hat dort einen Vortrag
gehalten. 2006 hat sie das zweite Ladakh-Festival organisiert.
Doris Eddelbüttel hat einen Sommer lang als in Ladakh als
Tsering Palmos Assistentin gearbeitet. In Deutschland war sie sehr aktiv beim
Spenden sammeln für die DFLN. Sie hat Poster und Faltblätter an
Gruppen tibetischer Buddhisten verschickt, aufgrund derer weiterhin Resonanz
kommt. Außerdem hat sie einen Spendenaufruf an christliche Nonnenorden in
Deutschland verschickt, der positive Reaktionen hatte. Im Januar 2006 war sie
erneut in Ladakh.
Joe Lea hat sich bereit erklärt, den amerikanischen
Flügel der DFLN zu verstärken. Joe Lea hat eine juristische
Ausbildung, was uns in den USA neue Möglichkeiten eröffnet. Aus den
USA kamen in den vergangenen zwei Jahren regelmäßig freiwillige
Helfer, die mit Eifer und großer Flexibilität beim Bau des neuen
Nonnenklosters mitgeholfen haben. Einige von ihnen haben auch den jungen Nonnen
Englischunterricht gegeben.
Jessica Mack hat sich bereit erklärt, sich in den USA um
die freiwilligen Helfer und die PR zu kümmern.
Aniek Jaartsveld war 2006 eine lange Zeit in Ladakh, sie ist
2007 ebenfalls vor Ort und wird sich um die freiwilligen Helfer kümmern.
Der Stand der Dinge
In Anlehnung an den Spendenaufruf, den das deutsche Vorstandsmitglied Doris
Eddelbüttel verschickt hat, hat die Geschäftstelle der DFLN einen
Brief an die christlichen Nonnenklöster in den Niederlanden verschickt
– mit überwältigendem Ergebnis. 2006 erreichten Spenden von
8000 Euro unser Konto, wobei das meiste Geld für den Bau des Klosters in
der Nähe von Thikse bestimmt war. Das Kloster heißt Gaden
Chhatnyanling. Im Dezember 2005 hat die DFLN für Gaden Chhatnyanling einen
Antrag an die Entwicklungshilfeorganisation Cordaid gestellt zur Finanzierung
eines Gemeinschaftsraumes für die 20 Nonnen, die im Kloster leben sollen.
Dieser Raum kann nicht nur als Klassenzimmer sondern auch als Speisesaal
benutzt werden. Cordaid hat im Mai 2006 einen Betrag von 12.500 Euro zur
Verfügung gestellt, unter der Bedingug, dass wir nochmal denselben Betrag
aus eigenen Mitteln aufbringen. Durch die Aktivitäten in Deutschland und
in den Niederlanden ist es uns gelungen, diesen Betrag aufzubringen.
Im Sommer stellte sich heraus, dass ein Betrag dieser Höhe vor Ort
Probleme bereitet. Bisher hatten wir die kleineren Beträge immer
persönlich durch ein Vorstandsmitglied übergeben, doch diesmal ging
es um 25.000 Euro. Die LNA hat Zwischenlösung ihr Konto zur Verfügung
gestellt, um das Geld schrittweise dem Bauleiter zu übergeben. Doch seit
einigen Jahren ist in Indien der FCRA (Foreign Currency Registration Act,
Gesetz zur Registrierung ausländischer Währungen) in Kraft, so dass
jedermann offiziell Rechenschaft für Geld aus dem Ausland ablegen muss.
Dies hilft, Missbrauch vorzubeugen. Dieser Vorgang kostet Zeit und Geld, was
weder die LNA noch unser Vorstand berücksichtigt hatten. Es brauchte
mehrere Monate, bis der Rinpoche des Klosters Thikse uns versprach, nicht nur
die Bauleitung zu übernehmen sondern auch das Geld zu empfangen und den
Behörden gegenüber anzumelden. Er ist der Abt vom Kloster Thikse und
hat 2003 den Nonnen das Bauland gegeben, auf dem derzeit das Nonnenkloster
entsteht. Zwischenzeitlich hatten wir der Postbank den Auftrag gegeben,
vorsichtshalber die Hälfte des Betrags auf unser Konto
zurückzubuchen, was nach einiger Zeit geschah. Der Vorstand der LNA hat im
weiteren Verlauf alle offenen Rechnungen bezahlt und den verbleibenden Betrag
auf unser Konto eingezahlt. Während all dies geschah, musste der Bau des
Nonnenklosters dennoch vorangehen, da in Ladakh aufgrund des Klimas nur in den
Sommermonaten gebaut werden kann. Daher sind einige Vorstandmitglieder aus
eigener Tasche in Vorleistung getreten und haben das Geld freiwilligen Helfern
auf dem Weg nach Ladakh mitgegeben. Dieses Geld wurde benötigt zum Kauf
von Baumaterial. Im Finanzbericht kann dieser Vorgang im Detail nachvollzogen
werden. Die Beträge wurden mittlerweile den betroffenen
Vorstandsmitgliedern erstattet. Mittlerweile sind 15 Zimmer fertig. Sie, die
Küche und der Gemeinschaftsraum wurden am 19. November offiziell im Rahmen
einer Feier vom Rinpoche eingeweiht. Für 2007 steht der Bau des
Gästehauses auf dem Programm. Geplant sind 6 Doppelzimmer mit Bad für
Leute die in den Sommermonaten meditative Ferien machen wollen. Geplant ist,
dieses Gebäude klein zu halten und dass die Nonnen sich nach der
Errichtung in Eigenregie um die Gäste kümmern und das Kloster eigene
Einnahmen hat. Die DFLN hat ihre Unterstützung für die ersten Jahre
angeboten.
Freiwillige Helfer
2006 waren zwei Freiwillige für längere Zeit in Ladakh. Aniek
Jaartsveld, eine Anthropologin, kam am 30. April an. Sie hat zusammen mit Dr.
Palmo und Jessica Mack Informationsveranstaltungen in der LNA organisiert und
außerdem Englischunterricht für die Nonnen gegeben. Außerdem
hat sie die Religionsstudentin Jessica Mack aus Harvard begleitet. Jessicas
Thema ist die Gesundheit der ladakhischen Nonnen. Bei ihrer Arbeit kam das neue
Handbuch für tibetische Frauen, das auf dem Buch “Our bodies,
Ourselves” basiert, zum Einsatz. Vor fünf Jahren fand eine
Vergleichsstudie statt. Mit den Ergebnissen will die LNA ihre Strategie
für die nächsten Jahre bestimmen. Außerdem war eine deutsche
Studentin vor Ort und einer der amerikanischen Studenten der Wesleyan
Universität aus dem vergangenen Jahr kehrte zurück, um seine
Diplomarbeit zu schreiben und beim Bau des Klosters zu helfen. Am 22. Mai kam
Joan Moonen an, die den Nonnen beigebracht hat, wie man mit lokalen Zutaten
abwechslungsreich und gesund kochen kann. Dies ist zudem eine Vorbereitung
für die Eröffnung des Gästehauses.
Notar
Zwischenzeitlich wollen immer mehr Leute gegen Spendenbescheinigung die DFLN
regelmäßig unterstützen. Ein Notar hilft uns bei unserer guten
Arbeit, indem er uns diese zum Sonderpreis ausstellt.
Junge Nonnen
Eine Reihe von jungen Nonnen hat sich entschlossen, das Mahabodhi-Kloster zu
verlassen, weil dieses per Handstreich in ein Theravada-Kloster umgewidmet
wurde. Für die Nonnen war das eine schwerwiegende Entscheidung, weil dies
bedeutete, dass sie für ihre Ausbildung ein neues Kloster ihrer Tradition
suchen mussten. Einige von ihnen studieren mittlerweile im Kopan-Kloster in
Katmandu, Nepal. Eine Nonne studiert in Dharamsala und eine studiert in
Südindien, um den Geshe-Grad (höchster Abschluß in
buddhistischen Studien) zu erlangen. Wir haben mittlerweile eine Reihe von
Leuten gefunden, die bereit sind, diese Nonnen zu unterstützen, da die
Nonnen planen, nach dem Studienabschluss nach Ladakh zurückzukehren und
dort Nonnen zu unterrichten. Für die Übergangszeit der ersten Jahre
sucht die DFLN außerdem Sponsoren für die alten Nonnen, die im
Kloster Chhatnyanling wohnen. Auf lange Sicht wird dies überflüssig
sein. Wenn der Komplex erstmal fertig ist, und auch junge, gebildete Nonnen
dort leben, können diese ihre älteren Kolleginnen unterstützen.
Zudem wird das Gästehaus ein Einkommen bringen.
Informationsprojekt in :Ladakh
In Zusammarbeit mit Doris Eddelbüttel haben wir Dr. Palmo Hilfe bei der
Planung von Informationsveranstaltungen gegeben. Die DFLN hat beim Erstellen
eines Posters und eines Faltblattes geholfen, damit die zahlreichen Touristen
bei ihrem Besuch in Ladakh etwas über die Nonnen erfahren. Die meisten
Touristen wissen nämlich nicht einmal, dass es neben den ganzen
Mönchsklöstern auch 28 Nonnenklöster in Ladakh und benachbarten
Regionen gibt. Weil die Nonnenklöster nicht so spektakulär sind und
die Nonnen keine Festivals abhalten, fallen sie weniger auf. Im vergangenen
Sommer fanden erstmalig wöchentliche Informationsveranstaltungen statt,
die auf grosses Interesse bei den anwesenden Touristen gestossen sind. Die LNA
wird diese Treffen 2007 weiterführen. Langfristig plant die DFLN die
finanzielle Eigenständigkeit aller Nonnen in Ladakh.
Aktivitäten 2006
Am 13. und 14, Mai fand in Briltil das erste Ladakh-Festival statt. Rund
hundert Menschen kamen und der lokale Mittelstand aus Zuidhorn hat die Kosten
des Festivals übernommen. Das Festival erzielte einen Erlös von rund
3000 Euro. Am 18. und 19. November organisierte Giny ten Brummelhuis das zweite
Ladakh-Festival in einem Konvent der Pater Passionisten in Haastrecht (Gouda).
Die Schirmherrin der DFLN, Erica Terpstra, eröffnete diese erfolgreiche
Veranstaltung, zu der auch Dr. Palmo anwesend war. Es kamen mehr als 150 Leute
und der Bruttoerlös lag bei rund 7000 Euro. Eine grosse Anzahl von Leuten
beschloss auf Anregung von Dr. Palmo, Patenschaften für studierende
ladakhische Nonnen zu übernehmen. Dr. Palmo blieb für zwei Wochen in
den Niederlanden und hielt mehrere Vorträge an verschiedenen Orten, unter
anderem in Nijmegen, Breda, Groningen und Amsterdam. Vorstandsmitglieder haben
2006 Vorträge gehalten und die von den ladakhischen Nonnen produzierte DVD
über die Arbeit von LNA und DFLN und das Leben der ladakhischen Nonnen
gezeigt.
Presse und PR
TV Nord hat im Mai 2006 einen langen Beitrag über das Ladakh-Festival und
die DFLN gesendet. Am 7. Juni gab es im Radio 747 ein Interview und eine
Reportage über die Nonnen. Anlässlich des zweiten Ladakh-Festivals
kamen Artikel in “Happinez” und “Koorddanser” (Der
Seiltänzer) heraus. AD Groene Hart hat ebenfalls gross über das
zweite Festival berichtet. Am 1. Dezember stand ein grosses Interview mit
Marlies Bosch und Marlijn Nijboer im “Tageblatt des Nordens”
anlässlich des Erscheines des Bildbandes mit Gedichten, “Licht in
Ladakh”. Das Buch ist ein Ergebnis einer Wanderausstellung der beiden
Künstlerinnen. Die Ausstellung war zunächst in der Bibliothek in
Gouda zu sehen und anschliessend im Maitreya-Institut in Amsterdam. Der
Erlös kommt den ladakhischen Nonnen zugute.
2006 haben wir unsere Website erweitert. Sie wurde von einer stetig wachsenden
Zahl von Menschen besucht.
Besuche auf der Website www.ladakhnuns.com:
Oktober 2006 insgesamt 227
November 2006 insgesamt 1625
December 2006 insgesamt 1500
January 2007 insgesamt 1678
Jahresabschluss
Wir haben das Jahr 2006 mit guten Aussichten beendet. Cordaid hat angedeutet,
dass auch 2007 die Möglichkeit eines Zuschusses für das
Gästehaus im Kloster Nyerma besteht und ebenso für die letzte
Bauphase im Jahr 2008. Um Weihnachten herum haben wir erneut Briefe an die
römisch-katholischen Nonnenklöster verschickt, die uns im vergangenen
Jahr unterstützt hatten. Einige von ihnen, unter anderem “Maria
Strootfonds” hat angekündigt uns auch im kommenden Jahr wieder zu
unterstützen. Durch die Website kommen regelmässig Anfragen nach
Spendenmöglichkeiten oder Angbote zur freiwilligen Mithilfe vor Ort.
Ausserdem werden die DVD und der Bildband oft auf diesem Weg bestellt.
Wir haben in den vergangenen zwei Jahren enorme Fortschritte gemacht. Dabei
haben wir Rücksicht auf die lokale Kultur und Gebräuche genommen,
auch wenn dies manchmal bedeutet hat, mit einem anderen Tempo voranzugehen, als
wir es im Westen gewohnt sind. Diese Vorgehensweise stellt den Erfolg und die
Tragfähigkeit der LNA innerhalb der lokalen Strukturen sicher.
Januar 2007, Marlies Bosch, Geschäftsführerin DFLN
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