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"Good morning, Sister English!" - das ist, was ich hörte, sobald ich mich mit dem Fahrrad dem Gephel-Shadrubling-Nonnenkloster in Sabu näherte.

Mit frohen Gesichtern rannten meine Schüler nach innen, um sich schnell ihre Schulbücher zu holen, damit sie keine Minute meines Englischunterrichts verpassen würden. Einen Monat lang erteilte ich jeden Tag drei Stunden lang den Nonnen Englischunterricht. Meine 13 Schülerinnen (im Alter von fünf bis 16 Jahren) waren auf drei Klassen mit verschiedenen Sprachniveaus verteilt und erhielten pro Klasse eine Stunde Unterricht pro Tag. Und was für ein Spaß war das, sowohl für die Mädchen als auch für mich!

Engelse les

Eine große Reisetasche voll mit in Leh gekauften Schulbüchern, Schriften und Bleistiften brachte ich am ersten Unterrichtstag mit ins Kloster. Die Sachen wurden verteilt, so dass der Unterricht beginnen konnte: Auf dem Boden sitzend und mit einem zerrissenen weißen Block.

Was für ein Enthusiasmus! Ich glaube, dass kein einzelner Lehrer mehr Enthusiasmus erfahren und lernbegierigere Kinder getroffen hat als ich! Voller Energie wurden die neu gelernten Worte laut wiederholt, buchstabiert und mit höchster Konzentration in die Hefte geschrieben. Es war ein Privileg, ihnen Englisch beibringen zu dürfen. Nicht nur sie haben dabei gelernt, sondern ich mindestens ebenso sehr, aber das in anderer Hinsicht.

Über diesen Monat hat sich zwischen uns eine echte Verbindung hergestellt. Mein Name Ingrid, den sie nur schwer behalten und aussprechen konnten, hat sich während dieser Wochen von Sister English über Sister Angry (eine Verballhornung von Ingrid, nichts persönliches) zu schließlich und endlich Sister Ingrid geändert.

Die Atmosphäre im Kloster ist hervorragend, man fühlt sich dort richtig zuhause. Das fühlt man, das sieht man: Das Kloster ist immer in bester Stimmung, die Nonnen sind entspannt und ganz sie selbst, auch die beiden Haus- und Hofhunde fühlen sich ganz eindeutig zuhause. Es wird viel gelacht, und die schöne große Wohnküche ist gesellig und schön hergerichtet mit Töpfen mit blühenden Geranien vor den Fenstern.

Das Abschiednehmen fiel uns schwer. Alle Kinder hatten Bilder für mich gemalt, mit ihrer je ganz eigenen Zeichnung von Sister Ingrid. Ganz am Schluss haben wir alle eine paar Tränen verdrückt. Tränen der Trauer wegen des Abschieds, aber auch des Glücks wegen der kurzen, aber schönen Zeit zusammen. Mit dem Versprechen, dass ich im nächsten Jahr wiederkommen werde, hatten wir aber alle Grund zur Vorfreude.


See you next year, my dearest sisters!

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